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Samuel Pepys
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Samuel Pepys [] (* 23. Februar 1633 in London; â 26. Mai 1703 in Clapham bei London)cite-ref-1[1] war StaatssekretĂ€r im englischen Marineamt (Chief Secretary to the Admiralty), PrĂ€sident der Royal Society und Abgeordneter des englischen Unterhauses, ist der Nachwelt aber vor allem als Tagebuchautor und Chronist der Restaurationsepoche unter König Karl II. von England bekannt. Das Tagebuch, das er von 1660 bis 1669 fĂŒhrte, gehört zu den wichtigsten Quellen fĂŒr diese Zeit und zu den am hĂ€ufigsten zitierten literarischen Werken des englischen Sprachraums.
Contents
âą Leben
âą Letzte Jahre
âą Ehrungen
âą Inhalt
âą Werkausgaben
âą Literatur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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Leben
Samuel Pepys wurde in eine Zeit hineingeboren, in der die KĂ€mpfe zwischen dem zunehmend selbstbewusst auftretenden englischen Parlament und dem nach absolutistischer Herrschaft strebenden Stuart-Königtum eskalierten, in die Zeit des aufstrebenden BĂŒrgertums und des beginnenden Kapitalismus.
Pepys, der sich vom AnhĂ€nger Oliver Cromwells zum ĂŒberzeugten Tory wandelte, war ein typischer Vertreter des neuen BĂŒrgertums. Dieses orientierte sich in seiner Lebensart zwar am Adel, prĂ€gte seine Welt aber zunehmend durch eigene, im Protestantismus wurzelnde Wertvorstellungen von Ehre, ReligiositĂ€t und Moral, von arbeitsamer Rechtschaffenheit und Gewinnstreben. Die teils gewollte, teils unfreiwillige Komik von Pepysâ Tagebuch ergibt sich aus der Diskrepanz zwischen seinen AnfĂ€ngen als prĂŒder, lustfeindlicher Puritaner und seiner VerfĂŒhrbarkeit durch die barocken GenĂŒsse der Ăra Karls II., die er bald in vollen ZĂŒgen genoss. Er selbst schrieb dazu:
â⊠most men that do thrive in the world, do forget to take pleasure during the time that they are getting their estate, but reserve that till they have got one, and then it is too late for them to enjoy it with any pleasure.â
â⊠die meisten MĂ€nner, die es in der Welt zu etwas bringen, vergessen, sich zu vergnĂŒgen wĂ€hrend sie ihr Vermögen machen. Sie sparen es sich auf, bis sie es geschafft haben, und dann ist es zu spĂ€t, es mit Freude zu genieĂen.â
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Samuel Pepys
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Tagebuch, 10. MĂ€rz 1666
Der hohe, auch kĂŒnstlerische Wert von Pepysâ TagebĂŒchern liegt in der rĂŒckhaltlosen Ehrlichkeit, mit der er darin sein eigenes Ich widerspiegelt, und in der Anschaulichkeit und Farbigkeit, in der er London und seine Zeit schildert. Viele bedeutende Ereignisse hat er aus nĂ€chster NĂ€he, zum Teil als Augenzeuge miterlebt, etwa die Hinrichtung König Karls I. von England, die RĂŒckkehr seines Sohnes Karl II. auf den Thron, die GroĂe Pest und den GroĂen Brand von London und â nach der Tagebuchzeit â den Sturz Jakobs II. von England in der Glorreichen Revolution. Als Verantwortlicher fĂŒr Bau und AusrĂŒstung der Schiffe der Royal Navy hat er selbst wiederum maĂgeblich auf seine Zeit eingewirkt.
Herkunft, Familie und Jugend
Der spÀtere StaatssekretÀr entstammte einfachen VerhÀltnissen. Er war der Sohn des Londoner Schneiders John Pepys und dessen Frau Margaret. Dem Paar wurden insgesamt elf Kinder geboren, aber nur vier davon erreichten das Erwachsenenalter. Von diesen wiederum war Samuel das Àlteste. Die Familie lebte bescheiden, hatte aber wohlhabende und einflussreiche Verwandte in der Familie Montagu, die dem Landadel angehörte. Deren Gut Hinchingbroke lag in Huntingdonshire, der Grafschaft, der auch Oliver Cromwell entstammte.
Als 1642 der BĂŒrgerkrieg ausbrach, schickte John Pepys seinen neunjĂ€hrigen Sohn aufs Land zu seinem Bruder Robert, der als Gutsverwalter der Montagus arbeitete. Wahrscheinlich wurden die reichen Verwandten schon damals auf den jungen Samuel aufmerksam und lieĂen ihm eine gute Ausbildung angedeihen â zunĂ€chst an der Lateinschule in Huntingdon, anschlieĂend in der streng puritanisch geprĂ€gten St. Paulâs School in London. In dieser Zeit wurde er als 15-JĂ€hriger Augenzeuge der Hinrichtung König Karls I. Fast 12 Jahre spĂ€ter erinnerte er sich an diesen Tag, als er in Gesellschaft einen alten Schulfreund wiedersah:
âHe did remember that I was a great Roundhead when I was a boy, and I was much afraid that he would have remembered the words that I said the day the King was beheaded (that, were I to preach upon him, my text should be âThe memory of the wicked shall rotâ); but I found afterwards that he did go away from school before that time.â
âEr erinnerte sich daran, dass ich als Junge ein groĂer Roundhead gewesen war, und ich hatte groĂe Angst, dass er sich an die Worte erinnern wĂŒrde, die ich am Tag der Enthauptung des Königs gesagt hatte (dass, wenn ich ĂŒber ihn zu predigen hĂ€tte, mein Text lauten sollte: âDas Andenken der Frevler soll verwesenâ); aber ich fand spĂ€ter heraus, dass er schon vor dieser Zeit von der Schule abgegangen war.â
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Samuel Pepys
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Tagebuch, 1. November 1660
Von 1650 bis 1653 besuchte Pepys das Magdalene College der UniversitÀt von Cambridge, wo er den Bakkalaureusgrad erwarb. Gegen eine Geldzahlung erhielt er 1660 nachtrÀglich den Magistertitel zugesprochen.
1655 heiratete er die damals 15-jĂ€hrige Elizabeth Marchant de Saint-Michel, Tochter eines verarmten französischen Hugenotten. Es handelte sich um eine Liebesheirat, wie sie fĂŒr MĂ€nner mit Ambitionen damals eher selten war. Offenbar lebte Pepys damals schon in halbwegs gesicherten VerhĂ€ltnissen. Am 26. MĂ€rz 1658 unterzog er sich einer Ă€uĂerst schmerzhaften und damals lebensgefĂ€hrlichen Blasenstein-Operation. Den Jahrestag der gelungenen Behandlung feierte er in den folgenden Jahren stets als seinen zweiten Geburtstag.
Karrierestart zur Zeit der Republik
Wahrscheinlich war Pepys seinem acht Jahre Ă€lteren Vetter Edward Montagu, dem spĂ€teren Lord Sandwich, schon als Kind begegnet. Dieser hatte sich im BĂŒrgerkrieg an der Seite Cromwells ausgezeichnet und bekleidete zur Zeit der englischen Republik hohe StaatsĂ€mter. Im Ersten Englisch-NiederlĂ€ndischen Seekrieg war er Oberbefehlshaber der Flotte. Nachdem Pepys sein Studium beendet hatte, stellte Montagu ihn als eine Art PrivatsekretĂ€r ein. Als ProtegĂ© seines Vetters begann Pepysâ Aufstieg im Staatsdienst.
So erhielt Pepys auf Vermittlung Montagus 1658 eine zusĂ€tzliche Anstellung im Schatzamt unter George Downing. Im September desselben Jahres starb Oliver Cromwell, und nach der kurzen Herrschaft seines Sohnes Richard als Lordprotektor beschlossen die fĂŒhrenden MĂ€nner in Heer und Marine 1660, die Stuart-Monarchie wiederherzustellen. Zu Pepysâ GlĂŒck hatten seine beiden Dienstherren Downing und Montagu maĂgeblichen Anteil an dem politischen Wendemanöver von der Republik zurĂŒck zur Monarchie. Montagu gehörte einer Delegation an, die Karl II. aus dem niederlĂ€ndischen Exil nach England zurĂŒckfĂŒhren sollte. Er wurde dafĂŒr spĂ€ter als Lord Sandwich in den Peersstand erhoben. Pepys begleitete ihn als SekretĂ€r und erlebte so die RĂŒckkehr des Königs und spĂ€ter seine Krönung in Westminster aus nĂ€chster NĂ€he.
Im königlichen Marineamt
Noch im selben Jahr erhielt Pepys eine weitere Stelle als Schreiber im Marineamt, in dem er in den folgenden Jahren immer weiter aufstieg. Wie seine Vorgesetzten verstand auch er es, sich mit den neuen politischen VerhĂ€ltnissen zu arrangieren. ZunĂ€chst wurde er von Lord Sandwich gefördert, spĂ€ter von Jakob, Herzog von York, dem Bruder des Königs. Pepys war im Marineamt fĂŒr die Beschaffung von Material und Verpflegung verantwortlich, also fĂŒr Bau, Reparatur und AusrĂŒstung der Schiffe der Royal Navy. Da England damals mit Holland um die Vorherrschaft auf den Weltmeeren kĂ€mpfte, war dies eine einflussreiche Position. Sie gab ihm viele Gelegenheiten zu illegalen Nebeneinnahmen, zum Beispiel zur Annahme von Bestechungsgeldern von Lieferanten.
1665 war Pepys an der Unterschlagung von Prisengeldern gekaperter hollĂ€ndischer Ostindienfahrer beteiligt. Die AffĂ€re wurde publik und Lord Sandwich als Hauptverantwortlicher musste seine Position als Admiral der Flotte rĂ€umen. Pepysâ Tagebucheintragungen spiegeln seine Furcht wider, vor einem Untersuchungsausschuss ebenfalls belastet zu werden und sein Amt zu verlieren. Da er sich weniger bereichert hatte als andere und sich auf seinen Vorgesetzten berufen konnte, ging er schlieĂlich unbeschadet aus der Angelegenheit hervor. Alles in allem hielt sich Pepysâ Korruption im Rahmen dessen, was damals als selbstverstĂ€ndlich erachtet wurde. Seinen Zeitgenossen galt er als höchst fĂ€higer Verwaltungsbeamter. Die Protektion, die er seit Beginn seiner Laufbahn genoss, rechtfertigte er immer wieder durch Sachkunde, Effizienz, LoyalitĂ€t und ZuverlĂ€ssigkeit. Nach dem frĂŒhen Tod seiner Frau, Ende 1669, widmete er sich ganz seinen beruflichen Aufgaben.
Zu diesen gehörte seit 1662 auch das Amt des Schatzmeisters der englischen Kolonie Tanger, welche die portugiesische Infantin Katharina von Braganza im Jahr zuvor als Mitgift in die Ehe mit Karl II. eingebracht hatte. Als die Kolonie 1683 aufgegeben und die englische Garnison aufgelöst werden sollte, entsandte man dazu Pepys nach Tanger. Es war seine einzige gröĂere Seereise, und er erlebte dabei einen Angriff algerischer Piraten. Auf der RĂŒckreise lernte er auch Spanien kennen. Dorthin, nach Madrid, war Lord Sandwich nach der Prisengeld-AffĂ€re als Botschafter abgeschoben worden.
ParteigÀnger des Herzogs von York
Pepys, der sich von seinem ersten Förderer vorsichtig distanziert hatte, suchte seither die Protektion des Herzogs von York, dessen treuer ParteigĂ€nger er wurde. Der Bruder des Königs war als Lord High Admiral mehrere Jahre lang Oberbefehlshaber der Flotte und damit sein höchster Vorgesetzter. Pepysâ Karriere war seit Mitte der 1670er Jahre aufs engste mit der seinen verbunden. Im Jahr 1673 wurde er zum SekretĂ€r der AdmiralitĂ€t (Secretary to the Admiralty Commission) ernannt und fĂŒr den Wahlkreis Castle Rising in Norfolk ins Unterhaus gewĂ€hlt. 1679 errang er den Parlamentssitz fĂŒr Harwich, den er zehn Jahre lang halten sollte.
In diesem Jahr aber bekam er erstmals auch die negativen Konsequenzen seiner Verbindung mit dem Herzog von York zu spĂŒren. Da dieser Ende der 1660er Jahre zum Katholizismus ĂŒbergetreten war, kam es zwischen 1678 und 1682 zur so genannten Exclusion Crisis, in der Jakobs protestantische Gegner versuchten, ihn von der Thronfolge auszuschlieĂen. Im Verlauf der Staatskrise geriet Pepys in Verdacht, verrĂ€terische Beziehungen zum katholischen Frankreich zu unterhalten, das er zehn Jahre zuvor mit seiner Frau bereist hatte. Er musste sein Amt als SekretĂ€r der AdmiralitĂ€t niederlegen und wurde von Mai bis Juli 1679 in den Tower gesperrt. 1680 wurden alle Anklagepunkte gegen ihn fallen gelassen.
Karl II. setzte sich in der Exclusion Crisis schlieĂlich gegen das Parlament durch und nach seinem Tod 1685 bestieg der Herzog von York als König Jakob II. den englischen Thron. Damit erreichte auch Pepysâ Laufbahn ihren Höhepunkt.
Gesellschaftliches Leben
Samuel Pepys sprach Spanisch, Italienisch, Französisch und Latein und interessierte sich fĂŒr Theater, Literatur sowie Musik. Er sang auch selbst und spielte Laute, Theorbe und Gitarrecite-ref-2[2] sowie Geige und Flageolett. Spezielles Interesse zeigte er an den Wissenschaften, insbesondere an der Mathematik. 1673 war er an der GrĂŒndung der Royal Mathematical School am Christâs Hospital, einer Internatsschule, beteiligt. Sie sollte jĂ€hrlich 40 Knaben fĂŒr die Kriegs- und die Handelsmarine in Navigation ausbilden. 1675 wurde er zum Gouverneur von Christâs Hospital ernannt.
Bereits 1665 war Samuel Pepys Mitglied der Royal Society geworden, als deren PrĂ€sident er von 1684 bis 1686 amtierte. Dort erlebte er VortrĂ€ge und Experimente der zeitgenössischen Forscher. Zu seinem groĂen Freundes- und Bekanntenkreis gehörten unter anderem der Physiker Isaac Newton, der Architekt Christopher Wren und der Dichter John Evelyn. Der Erstdruck von Newtons Hauptwerk Principia Mathematica trĂ€gt auf dem Titelblatt das Imprimatur von Samuel Pepys in seiner Funktion als PrĂ€sident der Royal Society.
Letzte Jahre
Schon vier Jahre nach seiner Thronbesteigung wurde König Jakob II. durch die Glorious Revolution von 1688/89 gestĂŒrzt. Damit endete auch Pepysâ Laufbahn abrupt. Bei den Wahlen im Februar 1689 verlor er seinen Parlamentssitz. Wenig spĂ€ter weigerte er sich, den Eid auf den neuen König Wilhelm III. zu leisten und trat als StaatssekretĂ€r zurĂŒck. Als AnhĂ€nger des geflohenen Königs wurde Pepys erneut zweimal fĂŒr kurze Zeit inhaftiert. Man unterstellte dem Protestanten und ehemaligen AnhĂ€nger Cromwells Sympathien fĂŒr die Jakobiten und den Katholizismus, was fĂŒr ihn als Staatsbediensteten ein VerstoĂ gegen die Testakte gewesen wĂ€re. Es kam aber auch in diesem Fall nie zu einer offiziellen Anklage oder Verurteilung.
Nach seiner letzten Freilassung 1690 widmete sich Pepys fast nur noch seinen privaten Vorlieben und Studien. Trotz seiner Ablehnung der neuen Regierung beriet er sie auf Bitten John Evelyns in Fragen der Finanzierung des 1692 gegrĂŒndeten und nach PlĂ€nen von Sir Christopher Wren errichteten Marinehospitals in Greenwichcite-ref-3[3], das auch als PensionĂ€rsheim fĂŒr alte und verwundete Marinesoldaten diente. Seit Ende der 1690er Jahre machte sich Pepysâ altes Nierenleiden wieder schmerzhaft bemerkbar. 1701 zog er in das Haus seines Freundes William Hewer nach Clapham um, das damals vor den Toren Londons lag. Um seinen 70. Geburtstag im Februar 1703 verschlechterte sich sein Gesundheitszustand. Er wurde zusehends schwĂ€cher, machte sein Testament, in dem er seinen Neffen John Jackson zum Haupterben bestimmte, und starb in den frĂŒhen Morgenstunden des 26. Mai.cite-ref-4[4] Sein Freund John Evelyn charakterisierte Pepys posthum als âbei aller Welt beliebt, gastfreundlich, groĂzĂŒgig und gebildet auf vielen Gebietenâ.
Ehrungen
Nach Samuel Pepys wurden unter anderem die von ihm gestiftete Bibliotheca Pepysiana am Magdalene College der University of Cambridge benannt sowie irrtĂŒmlich eine nicht existierende Phantominsel im Atlantik, Pepys Island. Eine StraĂe in der Londoner City ganz in der NĂ€he seines ehemaligen Amtssitzes und seiner BegrĂ€bnisstĂ€tte St Olave Hart Street trĂ€gt heute seinen Namen.
AnlĂ€sslich seines 200. Todestags wurde 1903 in London der Samuel Pepys Club gegrĂŒndet, der sich der Pflege seines Andenkens widmet. Sein Vorsitzender ist seit 1985 John Edward Hollister Montagu, der 11. Earl of Sandwichcite-ref-5[5], ein direkter Nachfahre von Pepysâ Förderer Edward Montagu. Im Jahr 1983, zu Pepysâ 350. Geburtstag, lieĂ der Club das Pepys Memorial errichten. Die BronzebĂŒste auf einem Steinsockel steht am langjĂ€hrigen Wohnort des Tagebuchautors, in der Seething Lane in der City of London.
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts stiftete der Club zudem den Samuel Pepys Award. Die Auszeichnung wird alle zwei Jahre fĂŒr ein Buch verliehen, âdas den gröĂten Beitrag zum VerstĂ€ndnis von Samuel Pepys, seiner Zeit oder seiner Zeitgenossen (âŠ) leistetâ. Erste PreistrĂ€gerin war 2003, im 300. Todesjahr des Tagebuchautors, die Schriftstellerin Claire Tomalin. Ihr Werk âSamuel Pepys. The Unequalled Selfâ war im Jahr zuvor bereits mit dem Whitbread Book Award ausgezeichnet worden.
Die geheimen TagebĂŒcher
Wenige Jahre nach seinem Tod war Samuel Pepys nur noch Spezialisten fĂŒr britische Marinegeschichte bekannt. Einer breiten Ăffentlichkeit wurde er erst ein Begriff, nachdem 1818 in der von ihm testamentarisch gestifteten Bibliothek an der University of Cambridge seine 3.100 Seiten umfassenden TagebĂŒcher entdeckt worden waren.
Ende 1659 hatte Pepys bei einem PapierwarenhĂ€ndler am Cornhill in der Londoner City sein erstes Tagebuch erworben. Am 1. Januar 1660 begann er mit seinen tĂ€glichen Notizen und fĂŒhrte sie bis zum 31. Mai 1669 fort. Nach seinen eigenen Angaben beendete er die Eintragungen, weil er fĂŒrchtete, wegen eines Augenleidens zu erblinden.
FĂŒr Beamte wie ihn war es durchaus ĂŒblich, Dienstereignisse in Journalen festzuhalten und diese als GedĂ€chtnisstĂŒtze zu nutzen. Pepys aber war einer der ersten, die ĂŒber offizielle Ereignisse hinaus persönliche Erlebnisse und Ansichten niederschrieben. Was ihn dazu bewog, ist bis heute unklar. Als SekretĂ€r Edward Montagus und gut informiertem Zeitgenossen war ihm natĂŒrlich bewusst, dass 1660 groĂe politische VerĂ€nderungen bevorstanden. Möglicherweise war dies ein Anreiz, seine Erfahrungen aus dieser Zeit festzuhalten. Da die TagebĂŒcher sowohl privat als auch dienstlich verfĂ€ngliche Informationen enthielten, hielt Pepys sie zu seinen Lebzeiten streng unter Verschluss. Er muss aber den Wunsch gehabt haben, sie einer ferneren Nachwelt zu ĂŒberliefern, denn er lieĂ die TagebĂŒcher binden und seiner 3.000 BĂ€nde umfassenden Bibliothek einverleiben. Diese wiederum musste sein Erbe aufgrund einer testamentarischen VerfĂŒgung von Pepys seinerseits der UniversitĂ€t Cambridge vermachen. Samuel Pepys ĂŒberlieĂ es also der Zeit und dem Zufall, wann jemand in der Bibliotheca Pepysiana auf seine nachgelassenen Notizen stoĂen wĂŒrde.
Inhalt
Pepysâ Tagebuch erlaubt einen unmittelbaren Blick auf den Alltag im London des ausgehenden 17. Jahrhunderts und in die Psyche eines Menschen jener Zeit. DarĂŒber hinaus ist es eine herausragende Quelle zu bedeutenden Ereignissen der Restaurationsepoche, etwa zur RĂŒckkehr König Karls II., zur GroĂen Pest von 1665 oder zum GroĂen Brand von London im Jahr darauf. Der besondere Reiz des Werks besteht darin, dass sein Autor â unverfĂ€lscht und frei von politischen sowie privaten RĂŒcksichten â Staatsaktionen am Hof und im Marineamt ebenso abhandelt wie alltĂ€gliche Erlebnisse. Die Krönungsfeierlichkeiten fĂŒr den aus dem Exil zurĂŒckgekehrten König Karl II. stehen neben Schilderungen von Pepysâ Liebschaften und den Streitereien mit seiner Frau Elisabeth. Betrachtungen ĂŒber Krieg und AuĂenpolitik gibt der Autor mit ebenso lebhaftem Interesse wieder wie Berichte ĂŒber Theaterbesuche und Hinrichtungen, LektĂŒre, Klatsch und Tratsch, Stimmungen im Volk, Moden, SpeiseplĂ€ne, Preise und vieles mehr.
Die besondere AuthentizitĂ€t, Ehrlichkeit und Unverstelltheit, die Pepysâ Werk vor den meisten anderen publizierten TagebĂŒchern auszeichnet, ergibt sich nicht nur aus dem gewandten, erzĂ€hlerischen Stil, sondern auch aus der Schreibtechnik des Autors. Er bediente sich der stenographischen Schrift Thomas Sheltons, welche die meisten seiner Mitmenschen â einschlieĂlich seiner Frau â nicht lesen konnten. Dies ermöglichte es ihm, völlig frei und unverblĂŒmt zu formulieren. Er musste kaum befĂŒrchten, dass seine Aufzeichnungen ihm Ărger einbringen könnten, falls sie je in die falschen HĂ€nde gerieten. Angesichts einiger auĂerehelicher AffĂ€ren und der KorruptionsfĂ€lle, in die Pepys im Laufe der Jahre verwickelt war, hatte er gute GrĂŒnde zu dieser Vorsicht. Mehr noch als behördliche Untersuchungen fĂŒrchtete Pepys offenbar den Unmut seiner Frau. Um ihr gegenĂŒber ganz sicherzugehen â und wohl auch aus puritanischer Schamhaftigkeit â, verschlĂŒsselte er die Schilderungen seiner SeitensprĂŒnge zudem mit Hilfe eines Sprachgemischs aus englischen, französischen, lateinischen, griechischen, italienischen und spanischen Wörtern. Hier ein Beispiel fĂŒr diese polyglotte Verschleierungstechnik:
âAnd jo ella metro su mano upon my pragma hasta hazerme hazer la cosa in su mano. Pero ella no voulut permettre que je ponebam meam manum a ella, but I do not doubt but áŒÎ»Î»áżł ÏÏÏÎœáżł de obtenir le.â
âUnd ich brachte sie dazu, ihre Hand auf mein Ding zu legen, bis sie mich dazu brachte, in ihrer Hand zu kommen. Aber sie wollte mir nicht erlauben, sie mit meiner Hand zu berĂŒhren, doch zweifle ich nicht sie ein anderes Mal zu bekommen.â
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Samuel Pepys
:
Tagebuch, 23. August 1665
Trotz aller VorsichtsmaĂnahmen erwischte Elisabeth Pepys ihren Mann 1668 jedoch in flagranti mit einem DienstmĂ€dchen, was fĂŒr ihn die gröĂte Katastrophe seines bisherigen Lebens war. Wenige Monate darauf gab er das Tagebuch auf.
Editionsgeschichte
1825, sieben Jahre nach der Wiederentdeckung der TagebĂŒcher, gelang es dem Theologiestudenten Jonathan Smith, Pepysâ Kurzschrift zu entziffern. Da kurz zuvor das Tagebuch des Dichters John Evelyn, Pepysâ Freund und Zeitgenossen, veröffentlicht worden war, erschien die Edition seines Werks als willkommenes Pendant dazu. Eine Erstausgabe, die aber nur AuszĂŒge aus den TagebĂŒchern enthielt, kam noch 1825 heraus. Sie war von Richard Griffin-Neville, Lord Braybrooke eher nachlĂ€ssig besorgt worden, stieĂ aber dennoch auf groĂes Interesse der englischen Leserschaft. Erst Ende des 19. Jahrhunderts brachte Henry Benjamin Wheatley (1838â1917) eine Standardausgabe des gesamten Werks in 10 BĂ€nden heraus, welche allerdings eine Reihe von im damaligen Zeitgeist als zu obszön geltende Passagen (hauptsĂ€chlich explizite Beschreibungen von Pepysâ Sexualleben betreffend) zensierte. Basierend auf der Wheatley-Ausgabe veröffentlicht Phil Gyford das Tagebuch seit Anfang 2003 tageweise in Form eines Weblogs.
Die heute maĂgebliche und komplett ungekĂŒrzte Ausgabe ist die Latham & Matthews Edition. Sie wurde zwischen 1970 und 1983 von Robert C. Latham, Pepys-Bibliothekar am Magdalene College in Cambridge, und von William Matthews, Professor fĂŒr Englische Literatur an der University of California, Los Angeles, herausgegeben. Sie besteht aus elf BĂ€nden, darunter ein Begleit- und ein Registerband (X und XI). Die ersten neun BĂ€nde umfassen je ein Jahr der TagebĂŒcher. In deutscher Ăbersetzung gab es lange Zeit nur AuswahlbĂ€nde der TagebĂŒcher, die sich mitunter auf einzelne Aspekte beschrĂ€nkten wie etwa âDer erotische Pepysâ. Erst 2010 erschien eine erste deutschsprachige Gesamtausgabe.
In der englischsprachigen Welt ist die PopularitĂ€t der geheimen TagebĂŒcher seit dem 19. Jahrhundert ungebrochen. Nach William Shakespeare und Samuel Johnson gehört Samuel Pepys zu den am hĂ€ufigsten zitierten englischen Autoren.
Werkausgaben
Englisch
âą Memoirs of Samuel Pepys, Esq. F.R.S. Secretary to the Admiralty in the Reigns of Charles II. And James II. Comprising His Diary from 1659 to 1669, Deciphered By the Rev. John Smith, A.B. From the Original Shorthand Ms., 2 BĂ€nde; Simpkin, Marshall, Hamilton, Kent & Co., London [1825] (die stark gekĂŒrzte Erstausgabe, herausgegeben von Richard Griffin-Neville, Lord Braybrooke)
âą The Diary of Samuel Pepys, 10 BĂ€nde; herausgegeben von Henry B. Wheatley; Cambridge 1893â1899
âą The Diary of Samuel Pepys â A New and Complete Transcription, 11 BĂ€nde; herausgegeben von Robert Latham und William Mattews. Bell & Hyman, London 1970â1983
âą Band 01: Introduction and 1660; ISBN 0-7135-1551-1
âą Band 02: 1661; ISBN 0-7135-1552-X
âą Band 03: 1662; ISBN 0-7135-1553-8
âą Band 04: 1663; ISBN 0-7135-1554-6
âą Band 05: 1664; ISBN 0-7135-1555-4
âą Band 06: 1665; ISBN 0-7135-1556-2
âą Band 07: 1666; ISBN 0-7135-1557-0
âą Band 08: 1667; ISBN 0-7135-1558-9
âą Band 09: 1668â1669; ISBN 0-7135-1559-7
âą Band 10: Companion; ISBN 0-7135-1993-2
âą Band 11: Index; ISBN 0-7135-1994-0
âą The Shorter Pepys. Bell & Hyman, London 1985 (auf einen Band gekĂŒrzte Fassung der Gesamtausgabe; herausgegeben von Robert Latham)
âą The Concise Pepys. Wordsworth Classics of World Literature, Wordsworth Editions, Ware, Hertfordshire 1997
Deutsche Ausgaben
Gesamtausgabe:
âą Samuel Pepys: Die TagebĂŒcher 1660â1669. Herausgegeben von Gerd Haffmans und Heiko Arntz, ĂŒbersetzt von Georg Deggerich, Michael Haupt, Arnd Kösling, Hans-Christian Oeser, Martin Richter und Marcus Weigelt, 9 BĂ€nde und ein Begleitband, Haffmans Verlag bei Zweitausendeins, Berlin 2010, ISBN 978-3-942048-18-7cite-ref-6[6]
AuswahlbÀnde:
âą Tagebuch. Herausgegeben und ĂŒbersetzt von Helmut Winter. Reclams Universal-Bibliothek 9970. Reclam, Stuttgart 1980, ISBN 3-15-009970-6. Neuausgabe: 2009, ISBN 978-3-15-010693-8.
âą Das geheime Tagebuch. Herausgegeben von Anselm Schlösser, ĂŒbertragen von Jutta Schlösser. Insel Verlag Anton Kippenberg, Leipzig 1980, als Lizenzausgabe erschienen bei Insel Verlag, Frankfurt am Main 1982, ISBN 3-458-32337-6.
âą Die geheimen TagebĂŒcher. Herausgegeben von Volker Kriegel und Roger Willemsen, ĂŒbersetzt von Georg Deggerich. Eichborn, Berlin 2004, ISBN 3-8218-3742-X.
âą Das Geheimtagebuch des Sir Samuel Pepys 1660â1669. Ăbersetzt und bearbeitet von Maja Schwartzkopff-Winter. Georg MĂŒller, MĂŒnchen 1931
âą Der erotische Pepys. Herausgegeben von Helmut Krausser und ĂŒbersetzt von Georg Deggerich, Eichborn Verlag, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-8218-0772-0.
Hörbuch
âą Milberg liest aus den TagebĂŒchern von Samuel Pepys. Haffmans & Tolkemitt, Berlin 2011, ISBN 978-3-942990-02-8 (3 CDs mit einer Auswahl von Texten nach der ersten deutschen Gesamtausgabe, s. o.).
Literatur
âą Arthur Bryant: Pepys: The Man in the Making 1663â1669. Cambridge University Press, Cambridge 1933, ISBN 0-586-06470-2.
âą Arthur Bryant: Pepys: The Years of Peril 1669â1683. Cambridge University Press, Cambridge 1935, ISBN 0-586-06471-0.
âą Arthur Bryant: Pepys: The Saviour of the Navy 1683â1689. Cambridge University Press, Cambridge 1938, ISBN 0-586-06472-9.
âą Richard Ollard: Pepys: A Biography. Hodder & Stoughton, London 1974, ISBN 0-19-281466-4 (etwa zeitgleich mit der Latham-Matthews-Ausgabe erschienen, profitiert das Werk vom profunden Fachwissen des Autors ĂŒber die Zeit der Stuart-Restauration).
âą Robert Louis Stevenson: Samuel Pepys. In: Essays, English and American, with introductions notes and Illustrations. New York 1910.
âą Claire Tomalin: Samuel Pepys: The Unequalled Self. Viking/Penguin, London 2002, ISBN 0-670-88568-1 (mit dem Whitbread-Preis fĂŒr die beste Biographie des Jahres 2002 ausgezeichnet).
âą Maureen Waller: Huren, Henker, Hugenotten. Das Leben in London um 1700. Bergisch Gladbach 2002, ISBN 3-404-64186-8.
âą Manfred Klotz: Pepysâ TagebĂŒcher und Hellmuth Karasek. In: Neue Stenografische Praxis. Nr. 57, 2009, S. 116â123 (parlamentsstenografen.de).
âą Samuel Pepys Companion. Haffmans Verlag bei Zweitausendeins, Berlin 2010 (Begleitband zur ersten deutschen Gesamtausgabe).
Weblinks
Commons
: Samuel Pepys
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikisource: Tagebuch von Pepys
â Quellen und Volltexte (englisch)
âą Literatur von und ĂŒber Samuel Pepys im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
âą Werke von und ĂŒber Samuel Pepys in der Deutschen Digitalen Bibliothek
âą The Diary of Samuel Pepys â TagebĂŒcher in Form eines Blogs (2003 von der Zeitung The Guardian als bestes britisches Blog ausgezeichnet; basiert auf der Wheatley-Edition von 1893â1899)
âą Heute vor 350 Jahren â Tagebuch als deutschsprachiger Blog
âą Tagebuch â Project Gutenberg
âą âThe Concise Pepysâ â Lord Braybrookes Edition der TagebĂŒcher von 1825 (zipped PDF, 1,4 MB, 408 A4-Seiten, engl.)
âą Samuel Pepys â Essay von Robert Louis Stevenson (1886)
âą Website des BBC (englisch)
âą Eintrag zu Pepys; Samuel (1633â1703) im Archiv der Royal Society, London
âą Webseite des Samuel Pepys Clubs
Einzelnachweise
cite-note-11. â nach dem Gregorianischen Kalender, der erst 1752 in England eingefĂŒhrt wurde: * 5. MĂ€rz 1633; â 6. Juni 1703; siehe: Manfred Vasold: Pepys, Samuel. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): EnzyklopĂ€die Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin / New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 1120 f., hier: S. 1120.
cite-note-22. â James Tyler: A guide to playing the baroque guitar. Indiana University Press, Bloomington und Indianapolis 2011, ISBN 978-0-253-22289-3, S. 37.
cite-note-33. â Claire Tomalin: Samuel Pepys. The Unequalled Self, Viking/Penguin, London 2002, S. 362
cite-note-44. â Tomalin: Pepys, S. 374â377
cite-note-55. â Biografische Informationen zum Earl of Sandwich
cite-note-66. â Martin Mosebach: Der gar nicht alltĂ€gliche Alltag in Merry old England. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31. Dezember 2010 (online)